Mama, ich hab aus Versehen ein Unternehmen gegründet

Vor einer Woche saß ich in einem Online-Seminar zum Thema “Freiberuflichkeit als Chance für Studierende”. Hinterher war ich vor allem in einer Hinsicht schlauer: Seit einem knappen Jahr bin ich Geschäftsführerin eines Einzelunternehmens – und ich hab’s nicht mal gewusst.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber Gründen klingt für mich ziemlich einschüchternd. Spannend (Hallo, hipp-uriges Büchercafé meiner Zukunft!), aber ziemlich einschüchternd. Turn’s out, so kompliziert ist es gar nicht. Man kann sogar gründen, ohne es mitzubekommen – ich bin dafür der lebende Beweis. Das klingt jetzt erstmal sau blöd. Ich hab auch wirklich, wirklich laut über mich selbst gelacht, als ich letzte Woche in einem Online-Seminar über freie Berufe saß und vor versammelter Mannschaft wortwörtlich sagen musste “Ups, dann hab ich ein Unternehmen gegründet, ohne es zu merken”. Wie sowas passiert? Ich sag’s euch.

Vor einem Jahr hab ich angefangen für den Blog meiner Universität zu schreiben. Bis auf zwei leitende Redakteurinnen sind alle, die für den Blog schreiben, in freier Mitarbeit beschäftigt. Ich bekomme nicht automatisch am Monatsende einen Lohn, sondern stelle meine geleistete Arbeit in Rechnung. Weil ich bis dahin immer nur in festen Angestelltenverhältnissen gearbeitet hatte, brauchte ich um Rechnungen ausstellen zu können erstmal eine Steuernummer. Um eine solche Nummer zu bekommen, meldet man sich beim zuständigen Finanzamt und füllt einen “Fragebogen zur steuerlichen Erfassung” aus. So weit, so gut.

So schnell kann’s gehen

Alles was ich wusste war: Auf die Rechnung muss eine Steuernummer, also brauch ich eine. Ein wichtiges Detail haben mir damals weder der verbürokratisierte Fragebogen noch die Kolleg:innen beim Uniblog verraten. Nämlich, dass ich unbedarfte Studentin damit automatisch ein Unternehmen gründe. Das Ausfüllen des Fragebogens zur steuerlichen Erfassung ist dafür der einzig notwendige Schritt – jedenfalls als Freiberufler:in. That’s it, Gründung innerhalb weniger Stunden. Rechtsform: Einzelunternehmen. Haftung: Privat.

Wer sich selbst freischaffend als Journalist:in oder Schriftsteller:in ausprobieren will, kann das also sowohl hauptberuflich als auch versuchsweise neben Job oder Studium relativ unkompliziert tun. Man muss kein Gewerbe anmelden, zahlt keine Gewerbesteuer, bis zu einem gewissen Umsatz wird man auf Wunsch sogar von der Umsatzsteuer befreit. Alles, was man tun muss, ist den Fragebogen auszufüllen und jedes Jahr brav seine Einnahmen und Ausgaben gegenüberzustellen, wenn man seine Steuererklärung macht (🤢).

Der Nachteil ist: Man schlittert offenbar – wie ich – ganz schnell mal blauäugig da rein. Vor allem, wenn man sich vorher noch nie damit auseinandergesetzt hat, was “freie Berufe” eigentlich bedeuten. Zugegeben, ich hasse Bürokratie und habe keine Ahnung davon. Ob ich sie hasse, weil ich keine Ahnung davon habe oder ob ich keine Ahnung habe, weil ich sie hasse, weiß ich nicht genau. Inzwischen weiß ich aber: Wenn ich dieses Schreibding beruflich durchziehen will, sollte ich mir Ahnung aneignen, damit mir solche – glücklicherweise bisher folgenlosen – Naivitäten nicht mehr passieren.

Wer sich für Freiberuflichkeit interessiert und genauso planlos ist, wie ich bis kürzlich, kann sich zum Beispiel beim Institut für Freie Berufe telefonische Erstberatung holen. In Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg wird diese Beratung sogar vom Land gefördert und ist entsprechend kostenlos. (Manche andere Bundesländer bieten immerhin eine Teilförderung an.)

In jedem Fall: Einfach mal machen geht gut, die nächstbeste Suchmaschine wenigstens für die Basics zu bemühen ist aber noch besser. Hättet ihr’s gewusst?

x, eine peinlich berührte Annika

2 Gedanken zu „Mama, ich hab aus Versehen ein Unternehmen gegründet

    1. Auf jeden Fall! Gut möglich natürlich, dass sie das weiß. Ich bin da eher so von der Seite reingeschlittert. Sie weiß vielleicht schon eher, was sie tut 😀

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