Im Juni ist es ein Jahr her, dass ich mich für meinen ersten Job als Texterin beworben hab. Das war riesig: Zum ersten Mal Geld für etwas bekommen, das ich in kreativer Eigenarbeit angefertigt habe. Zehn Monate später ist vieles so, wie ich es mir vorgestellt habe. Manches ist aber auch anders.
Dass meine Schreibkarriere im Sommer 2020 endlich Fahrt aufgenommen – besser: begonnen – hat, hab ich meiner Freundin Clara zu verdanken. Sie hat mir damals die Stellenausschreibung beim Uniblog weitergeleitet, für den ich seit letzten Juli schreibe. Was wäre man schon ohne Freund:innen? Ich jedenfalls keine Campus-Reporterin. Einen Tag später hatte ich meine Bewerbung abgeschickt, etwa eine Woche darauf durfte ich einen Probeartikel schreiben, den ihr hier lesen könnt. Davor hatte ich noch keine ernsthaften Schritte in Richtung Medienbranche unternommen – es war der berühmte Sprung ins kalte Wasser. Im August hatte ich meinen ersten Vertrag als freiberufliche Mitarbeiterin in der Tasche und verdiente mit dem Schreiben so richtig und in echt (ein bisschen) Geld. Uff.
Und, wie läuft’s?
Das ist jetzt ein knappes Jahr her. Was ist inzwischen so, wie ich es mir vorgestellt habe – und was nicht? Die folgenden Punkte sind persönliche Erfahrungswerte und erheben selbst als solche keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Für andere Menschen bei einem anderen Medium kann auch die Welt eine völlig andere sein. Wer überlegt, das Schreiben oder ein anderes kreatives Hobby zum Haupt- oder Nebenverdienst zu machen, findet diesen Einblick möglicherweise trotzdem spannend. Also los.
Das ist so, wie erwartet:
- Ich kann (und muss) meine Zeit frei einteilen. Alle Welt schreit nach flexibleren Arbeitszeiten. Als freie Reporterin habe ich die definitiv. Ich habe Deadlines, aber wie ich sie einhalte, ist ziemlich egal. Das ist meistens super. Es bedeutet aber auch, dass ich mich selbst strukturieren muss – und das zu lernen bleibt auch nach sechs Jahren Studium ein Prozess.
- Meine Arbeit macht mir Spaß. Zum Glück für mein vergangenes Ich ist das nicht der erste Job, der mir Spaß macht. Kellnern zum Beispiel fand ich spitze. Trotzdem hab ich mich nicht auf jede Schicht gefreut – Tabletts zu Stoßzeiten durch die Gegend zu hasten ist halt auch echt anstrengend. Neben dem Studium frei zu schreiben bedeutet, auf meinen Job eigentlich immer Lust zu haben. Uneigentlich würde ich so wie wir alle manchmal lieber Netflix gucken. Aber ich glaube, viel mehr Spaß könnte mir ein (Neben-)Job nicht machen.
- Ich arbeite fast immer im Flow. Wenn du nicht weißt, was ich damit meine, wird es dringend Zeit, dich mit dem Flowzustand auseinanderzusetzen. Nur so viel: Er gehört zu den besten Indikatoren dafür, dass eine Tätigkeit zu dir und deinen Talenten passt. Dass ich beim Schreiben alles um mich herum vergessen kann, wusste ich. Und daran hat sich glücklicherweise auch nichts geändert. Außer, dass ich in den vorbei rasenden Stunden auch noch bezahlt werde.
- Ich schreibe professionellerer. Damit meine ich nicht, dass mein Schreibstil besser geworden ist – obwohl ich auch hier dazulerne. Mein ganzer Zugang zum Schreiben ist professioneller geworden. Ich kann das Gefühl zulassen, dass dieses Hobby “genug” ist, um damit Geld zu verdienen. Ich seh’s ja monatlich auf meinem Kontoauszug. Das macht es noch leichter, Mühe und Zeit ins Besserwerden zu investieren.
Das ist irgendwie anders:
- Die Interviewführung. Interviews zu führen gehört zum Reporter:innendasein genau so wie das anschließende Texten. Gute Interviews zu führen ist aber gar nicht so leicht. Es braucht nicht nur gute Fragen, sondern diese auch zum richtigen Zeitpunkt – am besten dann, wenn der oder die Leser:in sich die Frage auch gerade stellt. Ein Interview sollte deshalb auch immer ein flüssiges Gespräch sein. Ich hab das bis heute nicht gemeistert, aber mit jedem Mal wird es einfacher. Die redaktionelle Freiheit erlaubt außerdem Nachbesserungen. Glaubt niemals, ein Gespräch wäre exakt so geführt worden, wie gedruckt.
- Ein Text entsteht schneller, als erwartet. An meinem Probeartikel hab ich 12 Stunden gesessen. Ich hatte keine Erfahrung, bin ein bisschen perfektionistisch und wollte alles direkt super machen. Ehrlicherweise dachte ich auch, ein Text braucht halt so lange. Inzwischen komme ich mit Vorbereitung, Interview, Schreiben und Überarbeitung nie über sechs Stunden. An meinem ersten freien Zeitungsartikel hab ich inklusive Recherche und Gesprächen sogar maximal zwei Stunden gesessen (was bei bei 32 Cent pro Zeile auch besser so ist).
- Die Wirkung von Feedback. Egal in welcher Branche, Rückmeldung auf getane Arbeit zu bekommen ist enorm wichtig. Beim Schreiben (und vielen anderen kreativen Beschäftigungen) ist es zudem so: Andere Menschen – also eine Redaktion oder ein Verlag – haben das letzte Wort über etwas, worunter öffentlich dein Name stehen wird. Als mir das dämmerte, war ich von mir selbst überrascht. Mein Ego fand es nämlich erstmal etwas unangenehm. Formulierungen, auf die ich stolz war, wurden beim Redigieren gestrichen, weil sie für ein neutrales Format zu blumig waren. Genau deshalb ist es wichtig, sein kreatives Hobby mit der Außenwelt abzugleichen: Wenn man immer nur sein eigenes Süppchen kocht, lernt man nicht dazu. Mittlerweile bin ich uneingeschränkt froh, mich durch konstruktive Rückmeldung verbessern zu können. Außerdem: Ganz ohne Feedback gäbe es auch kein positives Feedback. Und positives Feedback auf etwas zu bekommen, das man gerne macht, sollte jede:r mal ausprobiert haben.
Es kann sinnvoll sein, beim kreativen Berufseinstieg erstmal kleinere Brötchen zu backen. Dann ist die Gefahr geringer, dass das ganze frustig endet. Ein Hobby zum Beruf zu machen kann nämlich im schlimmsten Fall gehörig nach hinten losgehen – wenn der Druck von außen die eigene Motivation überschattet oder ganz ausradiert. Nach einem Jahr Schreiben als Nebenjob ist deshalb das wichtigste Fazit: Es erfüllt mich auch dann noch, wenn ich (ein bisschen) Geld dafür bekomme.
Wie geht’s euch mit eurem kreativen Hobby? Würdet ihr es zum Beruf machen? Oder habt ihr das sogar getan und dabei ganz andere Erfahrungen gemacht?
x, Annika

Sehr spannende Reflexion! Den nötigen Anstupser werde ich mir ewig auf die Fahne schreiben. 😉