Manchmal schmeißt man zwei Stunden lang zu lauter Musik und guter Laune mit Farbe um sich, manchmal sind dabei liebe Freundinnen und ein Kunsttherapeut anwesend. Meistens löst sich dabei etwas. Vielleicht hat auch einfach das Foto gepasst.
Kreativität lässt sich nicht erzwingen. Das habe ich in den letzten Monaten mit jeder Faser meines Körpers verstanden. Weil für jemanden, der schreiben will, nichts schlimmer ist, als vor einer leeren Seite zu sitzen und zu merken: Da kommt nichts. Da ist Leere. Und die einzige Möglichkeit, die man hat, ist sich dem ständigen Auf und Ab der Welle hinzugeben, die kreativer Ausdruck immer ist.
Gleichzeitig ist mir so bewusst geworden, dass journalistisches Schreiben nicht zwangsläufig kreativ ist. Das ist gut. Denn dem Gefühl von Inspiration hinterher zu rennen, das Kreativität erst möglich macht, führt meistens ins Nichts. Das macht doch jede Art der Kunst prekär: nicht bloß der Markt voller talentierter und hoffnungsvoller Kolleg:innen, auch die oft gnadenlose Abhängigkeit von Inspiration.
Was trotzdem funktioniert: Informationen aufsaugen und verschriftlicht wiedergeben. Ein Handwerk dann, sonst nichts. Manchmal baut ein guter Schreiner einen meisterlichen Schrank, mit Wänden, die singen. Manchmal baut er einen stabilen Türrahmen. Umso beruhigender also die Aussicht, ein Handwerk lernen zu können: An einer Journalist:innenschule oder während eines Volontariats.
Trotzdem bleibt der Wunsch, mich eigenständig kreativ auszudrücken. Bleibt die oft vorhandene Inspiration, die nur keinen Kalender kennt, keinen Sonntag Morgen um 9 Uhr, wenn der nächste Blogpost fällig ist. Wie machen das all diejenigen, die regelmäßig selbstbestimmt schreiben? Wie funktioniert das: Einen Blog konsequent mit lesenswerten Texten füllen, Jahrelang einer Buchidee hinterher eifern? Vielleicht ist das ist auch die wahre Schönheit an allem Kreativen: Dahinter steckt ein Mensch, der sich nur selbst finden und nicht finden lassen kann.
In diesem Sinne, zurück an die Masterarbeit. Und danke, lieber Manuel, für das Foto und einen wunderbaren Abend.
x, Annika 🌞
