Seit ich ernsthaft über berufliches Schreiben nachdenke, beschäftige ich mich damit, wie meine Texte stilistisch besser werden können. Ein intuitives Gespür für Sprache hilft natürlich. Daraus allein entsteht aber noch keine Edelfeder. Was ich im letzten Jahr gelernt habe, lest ihr hier.
Zu aller Erst: Das hier ist keine Anleitung zum guten Schreiben. Die meiste Zeit meines Lebens habe ich einfach drauf los geschrieben. Die wenigen Grundsätze, die ich inzwischen versuche zu beachten, habe ich selbst erst in den letzten Monaten gelernt.
Die meisten meiner aktuellen Texte sind außerdem unaufgeregte Zeitungsartikel. Viel Raum für literarische Meisterleistungen ist da nicht. Auf ein paar Basics achte ich in der Überarbeitung inzwischen trotzdem – ich nenne sie mal “Negativregeln”.
Was versuche ich zu vermeiden?
Das erste, was ich lernen musste, war die Sache mit den Füllwörtern. Intuitiv benutze ich unheimlich viele Füllwörter, sowohl beim Schreiben als auch beim Sprechen. Gemeint ist damit: “In einer total stickigen Bahn einen Blogartikel zu schreiben ist wirklich viel anstrengender, als einfach zu Hause am Schreibtisch.” statt schlicht “In einer stickigen Bahn Blogartikel zu schreiben ist anstrengender, als zu Hause am Schreibtisch.” Nicht jedes Füllwort ist überflüssig, aber jedes überflüssige Füllwort versuche ich in der Überarbeitung zu streichen.
Allzu verschachtelte Sätze sind der zweite Punkt, an dem ich stetig arbeite. Beim ersten Entwurf schreibe ich so, wie meine Gedanken fließen. Genau wie zu Füllwörtern neige ich dabei zu überlangen Sätzen mit etlichen Kommata. In der Überarbeitung bemerke ich oft, dass ich ein Komma durch einen Punkt ersetzen oder Satzteile ganz weglassen kann.
Negativregel Nummer 3 betrifft das liebe Passiv. Der Satz “Am Wochenende wurde vom Stadtrat einstimmig ein neues Parkkonzept beschlossen” enthält die exakt gleiche Information wie der Satz “Der Stadtrat hat am Wochenende einstimmig ein neues Parkkonzept beschlossen”. Die zweite Variante klingt aber einladender, lebendiger. Wann immer es geht, versuche ich Informationen im Aktiv zu formulieren.
Ein paar Positivregeln
Schwieriger wird es bei der Frage, wie ich über diese Weglassungen hinaus bessere Texte schreiben kann. Es gibt eine alte und vielzitierte Regel: “Show, don’t tell.” Für trockene Zeitungsberichte bringt diese Regel nicht viel. Für unterhaltende Textformen, also beispielsweise Reportagen oder gar Romane, dafür umso mehr. Das Offensichtliche nicht klar zu benennen, sondern die beobachtbaren Konsequenzen zu beschreiben, zwingt die Leser:innen zu eigenen Schlüssen. Ich könnte euch zum Beispiel erzählen, dass die Frau mir gegenüber es in unserem Wagon schrecklich heiß findet. Stattdessen könnte ich auch von den gequälten Blicken erzählen, die sie ihrem Mann zuwirft, während den Schweiß unter ihrer Maske wegwischt.
Zuletzt noch ein paar Worte zum Dichten. Die wichtigste Frage dabei ist: Welche Situation, welchen Zustand will ich beschreiben? Wenn ich Gedichte schreibe, suhle ich mich regelrecht in dem Gefühl, das ich vermitteln will. Dann lasse ich möglichst freie Assoziationen zu. Je versteckter eine Nachricht, desto größer ihr emotionales Echo. Schwieriger wird es beim Rhythmus. Oft stelle ich Verse zig mal um und lese sie mir immer wieder vor, bis sie fließend ineinander übergehen. Hier kriegen wir wieder die Kurve zu Fließtexten: Auch dort bastle ich manchmal so lange an Sätzen herum, bis sie rhythmisch klingen. Laut Vorlesen hilft mir manchmal dabei.
Was sind eure besten Schönschreibe-Tipps?
x, Annika 🌞
