Schreiben als Beruf. Ok, aber geht’s auch konkreter?

Mein Hirn ist gleichzeitig Ich und umgekehrt. Wäre das nicht so, hätte ich es schon dreißig Mal aus meinem Schädel geholt, trotzig mit dem Fuß aufgestampft und ihm genau diese Frage gestellt. Geht’s nicht auch konkreter? Aber manchmal muss man höchstgradig vage anfangen. Hauptsache, man fängt an.

Es hat 24 Jahre gedauert, bis mir wirklich überzeugend gedämmert hat, dass ich kreativ arbeiten will. Unter anderem, weil ich mir den größten Teil meines Lebens erfolgreich eingeredet habe, gar nicht kreativ zu sein. Der zweite, mindestens genau so bedeutsame Grund ist, dass meine Zukunftsvorstellungen an Unbeständigkeit kaum zu überbieten sind. Die Liste meiner ehemaligen Berufswünsche reicht ein mal um den Globus – und von jedem war ich zu irgendeinem Punkt in der Vergangenheit sehr überzeugt. Als Vierjährige wollte ich nach Papas Vorbild Lackiererin werden, später Schauspielerin, Dolmetscherin, Physikerin, Lektorin, Englischlehrerin, Therapeutin, Ernährungsberaterin, Ingenieurin. Alles hat Spuren hinterlassen, in Form vieler Interessen. Aber mein Leben lang mit irgendwas davon beschäftigen? Nee, danke.

Bei aller Planlosigkeit war eine Sache immer da: Der Drang zu Schreiben. Die Konsequenz, mit der sich das Schreiben durch mein Leben zieht, war mir dabei lange nicht bewusst. In unterschiedlichen Formen habe ich eigentlich ständig geschrieben, meistens nur für mich. So ständig, dass ich es gar nicht richtig wahrgenommen habe. Erst viel später habe ich festgestellt, dass diese Sorte bleibender Beschäftigung zu den besten Anhaltspunkten dafür gehört, was man mit seinem Leben anfangen will. Trotz des reißerisch anmutenden Titels beschreibt Angelika Gulder das in ihrem Bestseller Finde den Job, der dich glücklich macht sehr gut. Der Berufsberater vom Arbeitsamt hat es mir in der 10. Klasse trotzdem erfolgreich verschwiegen. An dieser Stelle nochmal Danke für nichts.

Ein paar tapsige Schritte

Ich weiß also inzwischen immerhin, dass mein Job irgendwas mit Schreiben zu tun haben soll. Was ich noch nicht weiß: Wie genau ich damit meine Brötchen verdienen werde. Nach wie vor vereinen sich unter meinem Schädeldach ein paar zu viele Interessen, als dass ich das einfach entscheiden könnte. Schreiben kann man aber glücklicherweise über alles. (Psychologischer) Wissenschaftsjournalismus ist aktuell der heißeste Kandidat – ich studiere zwar gerne und bereue nichts, für irgendwas handfestes sollen sieben Jahre Bachelor und Master trotzdem gut gewesen sein. In den letzten Monaten hab ich für’s Erste ein paar tapsige Schritte als freiberufliche Reporterin für den Blog meiner Uni gemacht. Und vor einer Woche habe ich ganz aus dem Häuschen den ersten Auftrag einer lokalen Tageszeitung angenommen. Ob der schnelle Takt des Nachrichtenjournalismus aber wirklich zur Geschwindigkeit meines eigenen Lebens passt – ehrlich gesagt, ich glaub es fast nicht. Trotzdem will ich möglichst viel ausprobieren, weil ich das Gefühl habe, endlich auf dem richtigen Weg zu sein.

Für mich und mein wankelmütiges Hirn bleiben einige Fragen weiter offen: Wenn ich Journalistin werde, was wird dann aus meinen sporadischen Gedichten oder vielleicht einem eigenen Buch? Um solche Fragen nicht aus dem Blick zu verlieren und mich im Prozess ständig schreibend zu reflektieren, gibt es absatzeins. Und so vage gerade auch alles noch ist: Mein Bauch kribbelt vor Entschlossenheit und alles fühlt sich an, als ginge es jetzt endlich los.

Steht ihr schon im Berufsleben oder wisst, wo’s beruflich für euch hingeht? Habt ihr vielleicht sogar euren ersten Karriereweg für eure wahre Berufung an den Nagel gehängt? Ich freu mich zu hören, was anderen bei diesem wichtigen Thema geholfen hat.

x, Annika

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